Warum die Materialwahl beim Knochenaufbau entscheidend ist
Nach Zahnverlust, Trauma oder parodontalem Abbau ist ein ausreichendes Knochenangebot die Grundvoraussetzung für eine stabile Implantatversorgung. Reicht das ortsständige Knochenvolumen nicht aus, ist der Knochenaufbau der entscheidende Zwischenschritt. Zur Verfügung stehen vier Materialklassen: autologer Knochen, humane Allografts, bovine Xenografts und synthetische Ersatzmaterialien. Dieser Beitrag geht der Frage nach, bei welchen Indikationen im Kieferbereich humane Allografts die beste Wahl sind und warum.
Vier Kriterien entscheiden über die Qualität eines Augmentats: wie viel vitaler, patienteneigener Knochen entsteht, wie schnell das Transplantat umgebaut wird, wie viel Fremdmaterial nach der Einheilung verbleibt und wie stabil das aufgebaute Volumen bleibt. Anhand dieser Kriterien lässt sich für jede Indikation eine begründete Materialentscheidung treffen.
Der biologische Vorteil der Allografts
Der zentrale Unterschied liegt in der biologischen Aktivität. In einer aktuellen Übersichtsarbeit fasst Miron zusammen, dass Allografts heute die einzige Klasse von Ersatzknochentransplantaten sind, die als osteoinduktiv gelten, und dadurch einen Vorteil gegenüber Xenografts und synthetischen Materialien haben[1]. Während Xenografts und synthetische Materialien im Wesentlichen als osteokonduktive Leitschiene dienen, können humane Allografts die Knochenneubildung aktiv anstoßen. Klinisch übersetzt sich das in mehr vitalen Eigenknochen, einen zügigeren Umbau und weniger verbliebenes Fremdmaterial zum Zeitpunkt der Implantation.
Indikation 1: Sinusbodenaugmentation
Im posterioren Oberkiefer ist die Sinusbodenaugmentation Standard, wenn Restknochenhöhe und Pneumatisation der Kieferhöhle keine direkte Implantation zulassen. Hier ist die Evidenz für Allografts besonders belastbar, weil zwei direkte Vergleichsstudien vorliegen. In einer verblindeten, randomisierten Split-Mouth-Studie erhielt jeder Patient in einen Sinus Allografts und in den anderen Xenografts; nach acht Monaten zeigte sich im Allograft-Areal ein höherer Anteil vitalen Knochens bei gleicher Heilungszeit[2]. Galindo-Moreno und Kollegen bestätigten den schnelleren Umbau: Bei ähnlicher initialer Knochenbildung verblieben nach sechs Monaten deutlich weniger Restpartikel in den Allografts (9,8 gegen 21,7 Prozent, p = 0,026), beide Gruppen waren nach zwölf Monaten funktioneller Belastung erfolgreich[3]. Für das Ziel, zum Implantationszeitpunkt möglichst reifen Eigenknochen vorzufinden, sind Allografts im Sinus damit klar im Vorteil.
Indikation 2: Socket Preservation und Alveolar Ridge Preservation
Die Erhaltung der Extraktionsalveole ist das häufigste Augmentat überhaupt, weil sie routinemäßig direkt bei der Extraktion erfolgt. In einer randomisierten kontrollierten Studie, die Allografts, Xenografts und Alloplast unter identischen Bedingungen verglich, erreichten Allografts den höchsten Anteil vitalen Knochens bei den wenigsten Restpartikeln, während Xenografts signifikant weniger vitalen Knochen bildeten[4]. Eine vierarmige RCT mit 120 Patienten zeigte, dass reine Allografts mehr vitalen Knochen bilden als die Kombination mit Xenografts[5]. Und ein direkter Vergleich von demineralisierten Allografts gegen bovine Xenografts fand bei klinisch ähnlicher Dimensionsänderung histologisch signifikant mehr Restmaterial in der Xenograft-Gruppe, also einen saubereren Umbau bei den Allografts[6]. Wo es auf reifen Eigenknochen für eine stabile Implantatlage ankommt, sind Allografts die überlegene Wahl.
Indikation 3: Laterale und horizontale Kammaugmentation und strukturelle Defekte
Bei horizontalen Breitendefekten und größeren strukturellen Defekten kommt es zusätzlich auf mechanische Stabilität und Formerhalt des Augmentats an. Genau hier spielen lamelläre, also kortikale Allografts ihre Stärke aus, weil sie dem aufgebauten Areal Struktur und Volumenstabilität geben und gleichzeitig in patienteneigenen Knochen umgebaut werden. In einer Vergleichsstudie verlor eine allogene kortikale Knochenplatte in Schalentechnik nur etwa halb so viel Volumen wie eine partikuläre geführte Knochenregeneration (8,3 gegen 14,4 Prozent), bei einer Implantatüberlebensrate von 100 Prozent[7]. Für spongiöse Allograft-Blöcke zur lateralen Augmentation im Seitzahn-Oberkiefer wurde ein medianer horizontaler Zugewinn von 7,0 mm bei über ein Jahr stabilem marginalem Knochenniveau dokumentiert[8]. Für strukturelle, lastrelevante Augmentationen sind lamelläre Allografts damit besonders geeignet.
Material zur Indikation passen: eine ehrliche Einordnung
Kein Material ist für alles ideal, und diese Differenzierung gehört in eine seriöse Darstellung. Xenografts haben ihre Stärke in der langsamen Resorption und damit in der langfristigen Volumenstabilität, was besonders im Sinus ein Argument sein kann. Bei reinen Blocktechniken ist zu beachten, dass Allograft-Blöcke resorbieren können und die Indikation eng gefasst sein sollte. Die Kernaussage bleibt indikationsbezogen: Der belegte Allograft-Vorteil ist mehr vitaler Knochen und schnellerer Umbau, bei lamellärem Knochen ergänzt um Struktur und Volumenerhalt. Nicht belegt ist eine pauschale Überlegenheit in jeder Kennzahl.
Laminar Bone: unser lamellärer Allograft-Knochen
Laminar Bone von surgebright ist sicher aufbereiteter humaner kortikaler Knochen. Er verbindet die mechanische Stabilität und den Volumenerhalt einer lamellären Struktur mit dem biologischen Umbau in patienteneigenen vitalen Knochen. Damit eignet er sich besonders für strukturelle Augmentationen im Kieferbereich, etwa die laterale und horizontale Kammaugmentation in Schalen- oder Blocktechnik, bei denen Formstabilität gefragt ist.
Fazit
Über die wichtigsten Indikationen im Kieferbereich hinweg sind humane Allografts dort die beste Wahl, wo reifer, vitaler Eigenknochen, ein zügiger Umbau und wenig Restmaterial im Vordergrund stehen: Sinusbodenaugmentation, Socket Preservation und Ridge Preservation. Bei strukturellen, lastrelevanten Defekten kommt mit lamellären, kortikalen Allografts der Vorteil der Formstabilität hinzu. Entscheidend bleibt, das Material zur Indikation zu wählen, dann spielen humane Allografts ihre biologischen und strukturellen Stärken voll aus.
Literatur
- Miron RJ. Optimized bone grafting. Periodontol 2000. 2024. doi:10.1111/prd.12517.
- Froum SJ, Wallace SS, Elian N, Cho SC, Tarnow DP. Comparison of mineralized cancellous bone allograft (Puros) and anorganic bovine bone matrix (Bio-Oss) for sinus augmentation: histomorphometry at 26 to 32 weeks after grafting. Int J Periodontics Restorative Dent. 2006;26(6):543-551.
- Galindo-Moreno P, de Buitrago JG, Padial-Molina M, et al. Histopathological comparison of healing after maxillary sinus augmentation using xenograft mixed with autogenous bone versus allograft mixed with autogenous bone. Clin Oral Implants Res. 2018;29(2):192-201.
- Zampara E, Alshammari M, De Bortoli J, et al. A Histologic and Histomorphometric Evaluation of an Allograft, Xenograft, and Alloplast Graft for Alveolar Ridge Preservation in Humans: A Randomized Controlled Clinical Trial. J Oral Implantol. 2022;48(6):541-549.
- Foster et al. Healing following ridge preservation using demineralized allograft particles or fibers alone, and combined with xenograft. J Periodontol. 2026.
- Sadeghi R, et al. A randomized controlled evaluation of alveolar ridge preservation following tooth extraction using deproteinized bovine bone mineral and demineralized freeze-dried bone allograft. PMC4810913.
- Comparison of Allogeneic Bone Plate and Guided Bone Regeneration Efficiency in Horizontally Deficient Maxillary Alveolar Ridges. Appl Sci. 2022;12(20):10518.
- Perez A, Pierantozzi E, Di Felice R, Lombardi T. Clinical and Biological Validation of an Allogeneous Cancellous Bone Block for Alveolar Maxillary Ridge Reconstruction: A Case Series. Dent J. 2024;12(2):42.

