Der dargestellte klinische Fall stammt von Hsun-Liang (Albert) Chan, DDS, MS, Associate Professor am Department of Periodontics and Oral Medicine, University of Michigan School of Dentistry (Chan HL. Open Wound Approach for Socket Augmentation with Laminar Bone Membrane and Cortical Bone Allograft. Solvita/Maxxeus, 2023, MKT-202-F-06).
Die Herausforderung: die kompromittierte Alveole
Nach einer Extraktion verliert der Alveolarkamm erheblich an Dimension, rund die Hälfte der Kammbreite kann im ersten Jahr verloren gehen. Bei intakter fazialer Knochenlamelle (Typ-1-Alveole) lässt sich das gut mit partikulärem Knochenersatz und einem Kollagen-Plug behandeln. Anspruchsvoll wird es bei Typ-2- und Typ-3-Alveolen, bei denen die faziale Knochenwand teilweise oder ganz fehlt. Hier stößt die resorbierbare Kollagenmembran an ihre Grenze, weil sie nicht rigide genug ist, um Raum für die Knochenregeneration zu halten. Nicht resorbierbare dPTFE-Membranen halten den Raum zwar, müssen aber wieder entfernt werden und neigen bei Exposition zu Infektionen.
Was die laminäre Knochenmembran (LBM) leistet
Die laminäre Knochenmembran ist ein anderer Ansatz: Sie besteht aus dünnen, flexibel aufbereiteten Schichten kortikalen Knochens, die stabil genug sind, um Raum zu halten oder zu schaffen, und zugleich resorbierbar, sodass keine zweite Operation zur Entfernung nötig ist. Damit vereint sie die Formstabilität einer rigiden Membran mit dem biologischen Vorteil humaner Allografts. Zu den beschriebenen Eigenschaften zählen Raumschaffung und Raumerhalt, ein minimalinvasives Vorgehen mit geringer Weichgewebspräparation, der Verzicht auf Fixierungsschrauben oder Pins sowie die Resorbierbarkeit ohne Retrieval. Die Membran ist in Kochsalz verpackt und muss vor Gebrauch nicht rekonstituiert werden.
Biologisch relevant ist der Allograft-Hintergrund: Allografts sind laut aktueller Übersichtsarbeit die einzige Klasse von Ersatzknochentransplantaten, die als osteoinduktiv gilt, mit einem Vorteil gegenüber Xenografts und synthetischen Materialien[7]. Gerade bei kompromittierten Alveolen mit fehlender fazialer Wand ist die Kombination aus struktureller Stützfunktion und biologischem Umbau in patienteneigenen Knochen der entscheidende Vorteil.
Der dokumentierte Fall von Dr. Chan
Eine Patientin stellte sich mit einem nicht erhaltungswürdigen Unterkiefermolaren (regio 36) vor. Es lag eine kombinierte parodontal-endodontische Läsion mit über 10 mm Sondierungstiefe, Blutung, Pusaustritt und Lockerungsgrad 3 vor. Nach der Extraktion ohne Lappenbildung war erwartungsgemäß nahezu die gesamte faziale Knochenwand resorbiert, der bukkale Defekt maß 7 mm in der Höhe und 8 mm in der Breite. Nach gründlichem Debridement wurde eine laminäre Knochenmembran (15 x 20 mm) zugeschnitten und in eine bukkal wie lingual präparierte Weichgewebstasche eingebracht. Kortikale Knochen-Allografts wurden fest in die Alveole und gegen die Membran gepackt, mit einer Überfüllung von 15 bis 20 Prozent zum Ausgleich der Konsolidierung. Die Fixierung erfolgte über eine modifizierte Kreuznahttechnik; ein primärer Wundverschluss wurde bewusst nicht angestrebt (offener Wundansatz). Nach fünf Monaten zeigte sich nach Lappenreflexion eine vollständige Regeneration der Kammbreite einschließlich der bukkalen Knochenwand. Ein Implantat (4,8 x 10 mm) konnte einzeitig in idealer dreidimensionaler Position mit exzellenter Primärstabilität gesetzt werden[1].


Abb. 1–2: Klinische und radiologische Ausgangssituation – kombinierte parodontal-endodontische Läsion. Klinischer Fall von Dr. Hsun-Liang (Albert) Chan. Quelle: Solvita/Maxxeus, 2023.



Abb. 3–5: Alveole mit resorbierter bukkaler Wand, eingebrachte Membran und kortikale Allografts, Fixierung per modifizierter Kreuznaht. Klinischer Fall von Dr. Hsun-Liang (Albert) Chan. Quelle: Solvita/Maxxeus, 2023.



Abb. 6–8: Situation nach fünf Monaten, vollständige Regeneration der Kammbreite inklusive bukkaler Wand, einzeitige Implantation mit Primärstabilität. Klinischer Fall von Dr. Hsun-Liang (Albert) Chan. Quelle: Solvita/Maxxeus, 2023.
Was die Evidenz zeigt
Laminäre Knochenmembranen sind kein neues Konzept. In einer Vergleichsstudie an mandibulären Furkationen erzielte eine bioresorbierbare laminäre Knochenmembran gleichwertige klinische Ergebnisse wie eine nicht resorbierbare ePTFE-Membran, mit dem Vorteil, dass keine Membranentfernung nötig war[5]. Für die geführte Knochenregeneration wurden demineralisierte laminäre Knochenschichten in mehreren Arbeiten mit zufriedenstellenden Ergebnissen beschrieben[6][8]. Der Nutzen membrangestützter Kammerhaltung, auch mit nicht resorbierbaren dPTFE-Membranen im offenen Ansatz, ist zudem gut dokumentiert[2][3][4].
Ehrlich eingeordnet: Der hier gezeigte Fall ist ein Einzelfallbericht und damit die unterste Evidenzstufe, die unterstützenden Membranstudien sind teils älter und klein. Der dokumentierte Verlauf ist überzeugend und deckt sich mit dem Wirkprinzip, ersetzt aber keine größere kontrollierte Studie. Für die Kommunikation heißt das: als illustratives Anwendungsbeispiel stark, nicht als Beleg pauschaler Überlegenheit.
Laminar Bone im surgebright-Portfolio
Laminar Bone von surgebright ist aus dünnen, flexibel aufbereiteten Schichten kortikalen humanen Knochens gefertigt. Sie eignet sich besonders für kompromittierte Alveolen mit fehlender fazialer Wand (Typ-2- und Typ-3-Defekte) und für raumfordernde Situationen in der geführten Knochenregeneration, in denen Formstabilität gefragt ist. Vorteile in der Anwendung sind der Raumerhalt ohne Fixierungsschrauben, das minimalinvasive Vorgehen und die Resorbierbarkeit ohne zweite Operation zur Entfernung.
Fazit
Bei der kompromittierten Alveole, bei der resorbierbare Kollagenmembranen zu weich und nicht resorbierbare Membranen operativ aufwendig sind, schließt die laminäre Knochenmembran eine echte Lücke. Sie hält den Raum wie eine rigide Membran, wird aber wie Allografts in patienteneigenen Knochen umgebaut und muss nicht entfernt werden. Der dokumentierte Fall von Dr. Chan zeigt, wie sich damit im offenen Wundansatz auch ein ausgedehnter bukkaler Defekt bis zur einzeitigen Implantation regenerieren lässt.
Literatur
- Chan HL. Open Wound Approach for Socket Augmentation with Laminar Bone Membrane and Cortical Bone Allograft. Solvita/Maxxeus; 2023 (MKT-202-F-06).
- Arbab H, Greenwell H, Hill M, et al. Ridge Preservation Comparing a Nonresorbable PTFE Membrane to a Resorbable Collagen Membrane: A Clinical and Histologic Study in Humans. Implant Dent. 2016;25:128-134.
- Barber HD, Lignelli J, Smith BM, Bartee BK. Using a dense PTFE membrane without primary closure to achieve bone and tissue regeneration. J Oral Maxillofac Surg. 2007;65:748-752.
- Hoffmann O, Bartee BK, Beaumont C, Kasaj A, Deli G, Zafiropoulos GG. Alveolar bone preservation in extraction sockets using non-resorbable dPTFE membranes: a retrospective non-randomized study. J Periodontol. 2008;79:1355-1369.
- Scott TA, Towle HJ, Assad DA, Nicoll BK. Comparison of bioabsorbable laminar bone membrane and non-resorbable ePTFE membrane in mandibular furcations. J Periodontol. 1997;68:679-686.
- Fugazzotto PA. The use of demineralized laminar bone sheets in guided bone regeneration procedures: report of three cases. Int J Oral Maxillofac Implants. 1996;11:239-244.
- Miron RJ. Optimized bone grafting. Periodontol 2000. 2024. doi:10.1111/prd.12517.
- Majzoub Z, Cordioli G, Aramouni PK, Vigolo P, Piattelli A. Guided bone regeneration using demineralized laminar bone sheets versus GTAM membranes in the treatment of implant-associated defects. Clin Oral Implants Res. 1999;10:406-414.

