Warum Socket Preservation zum Standard gehört
Die Erhaltung der Extraktionsalveole ist das mit Abstand häufigste Augmentat im Kieferbereich, weil sie direkt bei der Extraktion mitläuft und keinen separaten Eingriff erfordert. Der Grund für ihren Routinecharakter ist die zahnabhängige Natur des Alveolarknochens: Nach dem Zahnverlust resorbiert der Kamm in Höhe und Breite, was eine spätere, prothetisch korrekt positionierte Implantation erschwert. Eine Metaanalyse zur Alveolar Ridge Preservation zeigt, dass die aktive Erhaltung der Alveole die Resorption gegenüber der ungeschützten Heilung signifikant reduziert[1]. Die relevante Frage ist damit nicht ob, sondern mit welchem Material man die Alveole erhält.
Was die Evidenz zeigt
Beim Materialvergleich in der Socket Preservation liefern humane Allografts die belastbarsten Argumente für die Knochenqualität. In einer randomisierten kontrollierten Studie, die Allografts, Xenografts und Alloplast unter identischen Bedingungen an menschlichen Extraktionsalveolen verglich, erreichten Allografts den höchsten Anteil vitalen Knochens bei den wenigsten verbliebenen Graftpartikeln, während Xenografts signifikant weniger vitalen Knochen bildeten[2]. Das ist die stärkste Evidenzstufe, weil alle drei Materialklassen im selben Design gegeneinander antreten.
Eine große vierarmige randomisierte Studie mit 120 Patienten untersuchte demineralisierte Allografts als Partikel oder Fasern, jeweils allein und gemischt mit Xenografts. Die Gruppen mit reinen Allografts bildeten mehr vitalen Knochen als die Kombination mit Xenografts, das Beimischen von Xenografts brachte histologisch also keinen Vorteil[3]. Ergänzend fand ein direkter Vergleich von demineralisierten Allografts gegen bovine Xenografts bei klinisch ähnlicher Dimensionsänderung histologisch signifikant mehr Restmaterial in der Xenograft-Gruppe, also einen saubereren Umbau bei den Allografts[4].
Der biologische Hintergrund dafür ist die Osteoinduktivität. Allografts sind laut aktueller Übersichtsarbeit die einzige Klasse von Ersatzknochentransplantaten, die als osteoinduktiv gilt, und haben dadurch einen Vorteil gegenüber Xenografts und synthetischen Materialien[5]. Besonders ausgeprägt ist diese Eigenschaft bei demineralisierten Allografts, bei denen die knochenmorphogenetischen Proteine freigelegt werden.
Ehrliche Einordnung
Zur seriösen Darstellung gehört die Kehrseite. Xenografts resorbieren langsamer und erhalten das Volumen über lange Zeit stabil, was ein Argument sein kann, wenn reine Dimensionsstabilität das Ziel ist. Bei den klinischen Kammdimensionen liegen Allografts und Xenografts oft gleichauf. Der belegte Allograft-Vorteil in der Alveole ist mehr vitaler, patienteneigener Knochen und ein zügigerer Umbau mit weniger Restmaterial, nicht pauschal bessere Volumenstabilität. Für das Ziel einer stabilen, gut durchbauten Implantatlage ist genau das entscheidend.
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Für maximale osteoinduktive Wirkung: DBM Fibers von surgebright nutzt die freigelegten knochenmorphogenetischen Proteine der demineralisierten Allografts und passt zu den Daten, die reine demineralisierte Allografts der Xenograft-Kombination überlegen zeigen.
Fazit
In der Socket Preservation sind humane Allografts überall dort die beste Wahl, wo reifer, vitaler Eigenknochen, ein zügiger Umbau und wenig Restmaterial im Vordergrund stehen. Die Studienlage stützt das klar. Für die praktische Umsetzung empfiehlt sich ein mineralisiertes Allograft-Granulat, wo es auf Knochenqualität und Handling ankommt, und ein demineralisiertes Allograft, wo die osteoinduktive Wirkung im Vordergrund steht. So lässt sich die Evidenz direkt in die tägliche Routine übersetzen.
Literatur
- Avila-Ortiz G, Elangovan S, Kramer KW, Blanchette D, Dawson DV. Effect of alveolar ridge preservation after tooth extraction: a systematic review and meta-analysis. J Dent Res. 2014;93(10):950-958.
- Zampara E, Alshammari M, De Bortoli J, et al. A Histologic and Histomorphometric Evaluation of an Allograft, Xenograft, and Alloplast Graft for Alveolar Ridge Preservation in Humans: A Randomized Controlled Clinical Trial. J Oral Implantol. 2022;48(6):541-549.
- Foster et al. Healing following ridge preservation using demineralized allograft particles or fibers alone, and combined with xenograft. J Periodontol. 2026.
- Sadeghi R, et al. A randomized controlled evaluation of alveolar ridge preservation following tooth extraction using deproteinized bovine bone mineral and demineralized freeze-dried bone allograft. PMC4810913.
- Miron RJ. Optimized bone grafting. Periodontol 2000. 2024. doi:10.1111/prd.12517.

